Mainstream-Enge und Implosion der Meinungsfreiheit.
Faktoren für die Radikalisierung Einzelner sowie für medien-getriebenen Populismus
in: Lothar Häberle (Hrsg.), Mainstream – freie Meinung – Populismus. Interdisziplinäre Beiträge zur Debattenkultur und zu Spaltungstendenzen der Gesellschaft, Verlag Springer VS 2025, S. 29-54.
Bereits 2019 zeigte der Staatsrechtslehrer, Richter und Romancier Bernhard Schlink in einem Essay auf, worin die Enge des politischen Mainstreams besteht und welchen Preis dies hat. Schlinks Überlegungen werden in dem Beitrag skizziert und eingeordnet. Die Mainstream-Enge bewirkt eine Einschränkung der Meinungsfreiheit, nun aber nicht – wie klassischerweise – durch den Staat, sondern durch nicht-staatliche Akteure. Zudem zerfällt das Meinungsspektrum durch die von der Personalisierung im Internet verursachten Echokammern, die Meinungsfreiheit
implodiert. Eine kurze soziologische Untersuchung zeigt bereits für die 1990er Jahre auf, dass gesellschaftliche Konflikte nicht mehr befriedet, sondern nur noch zivilisiert, in einem für alle Seiten akzeptablen Modus vivendi gehalten werden. Diese Faktoren zusammen stecken das Feld ab, in dem sich die Radikalisierung Einzelner – in der Regel stufenweise – vollzieht: neben persönlichen Dispositionen vor allem durch das soziale Umfeld sowie das Internet. Populistische Gruppen und Parteien – im rechten wie im linken Politikfeld – weisen dabei eine mittlere Stufe der Radikalisierung auf, da sie Gewalt als Mittel der Politik ausschließen.